KI in Schweizer KMU: sinnvolle Use Cases mit hohem ROI
Wo sich KI im Alltag eines KMU rechnet, woran man gute Kandidaten erkennt und wie der Einstieg ohne grosses Risiko gelingt.
Aproxera AG
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Kurz gesagt: KI rechnet sich dort, wo dieselbe Arbeit oft anfällt, sich zählen lässt und ein Mensch das Ergebnis in Sekunden prüfen kann. Wer mit einem Prozess beginnt statt mit einem Werkzeug, spart ab dem ersten Monat.
Warum das Thema für KMU jetzt zählt
Sprachmodelle lesen heute Rechnungen, entwerfen Offerten, sortieren Mails und durchsuchen Dokumente. Für ein Unternehmen mit 20 bis 200 Mitarbeitenden ist das interessant, weil es dort selten eine Abteilung für Routinearbeit gibt. Sie bleibt bei Fachleuten hängen, die eigentlich anderes tun sollten: in der Buchhaltung, im Verkauf, in der Projektleitung.
Gleichzeitig ist der Druck, «etwas mit KI zu machen», real. Das Ergebnis sind oft Piloten, die technisch funktionieren und trotzdem niemand nutzt, weil sie ein Problem lösen, das niemand hatte. Die richtige Frage lautet deshalb nicht, was KI kann, sondern welche Aufgabe im eigenen Betrieb so viel Zeit kostet, dass sich eine Lösung lohnt.
Woran man einen guten Use Case erkennt
Fünf Fragen genügen für eine erste Einschätzung. Je mehr davon ein klares Ja ergeben, desto besser der Kandidat.
Regelmässig?
Eine Arbeit, die zweimal im Jahr vorkommt, rechnet sich fast nie.
Genug Volumen?
400 Belege im Monat sind ein anderer Fall als 40.
Messbar?
Minuten pro Vorgang, Durchlaufzeit, Fehlerquote. Ohne Ausgangswert bleibt der Nutzen eine Behauptung.
Daten vorhanden?
Wer die Grundlagen erst digitalisieren muss, hat zuerst ein anderes Projekt.
Prüft ein Mensch?
Ein Entwurf, den jemand freigibt, ist unkritisch. Eine Entscheidung, die niemand mehr ansieht, ist es nicht.
Der letzte Punkt entscheidet am häufigsten. Die guten Use Cases sind fast immer solche, bei denen die KI einen Vorschlag macht und eine Person bestätigt. Das spart die Tipparbeit und lässt die Verantwortung dort, wo sie hingehört.
Fünf Beispiele mit Beispielrechnung
Die Rechnungen sind Beispiele, keine Messwerte aus Kundenprojekten. Alle Zahlen sind Annahmen, die wir offen ausweisen; gerechnet ist durchgehend mit CHF 75 Vollkosten pro Stunde. Wer andere Werte hat, setzt seine eigenen ein, der Rechenweg bleibt derselbe.
1. Belegerfassung in der Kreditorenbuchhaltung
Eingehende Rechnungen werden gelesen; Lieferant, Betrag, MWST und Kontierungsvorschlag sind ausgefüllt. Die Buchhaltung kontrolliert und gibt frei.
- Annahme
- 400 Belege/Monat, 5 statt 2 Minuten
- Ersparnis
- 20 Std. = CHF 1'500/Monat
- Kosten
- CHF 500/Monat, CHF 10'000 einmalig
- Netto
- CHF 1'000/Monat
Im ersten Jahr bleiben rund CHF 2'000, ab dem zweiten rund CHF 12'000 pro Jahr. Bei 80 Belegen im Monat wäre die Rechnung negativ.
2. Entwürfe für Offerten und Angebote
Aus Anfrage, früheren Offerten und Preisliste entsteht ein erster Entwurf, den der Verkauf überarbeitet.
- Annahme
- 30 Offerten/Monat, 90 statt 50 Minuten
- Ersparnis
- 20 Std. = CHF 1'500/Monat
- Kosten
- CHF 300/Monat, CHF 4'000 einmalig
- Netto
- CHF 1'200/Monat
Die Einrichtung ist nach gut drei Monaten bezahlt. Dass Offerten schneller rausgehen, ist ein zweiter Nutzen. Ob er mehr Aufträge bringt, sollte man messen statt annehmen.
3. Kundenanfragen im Sammelpostfach sortieren
Mails an info@ oder support@ werden nach Thema und Dringlichkeit eingeordnet, der zuständigen Person zugewiesen und mit einem Antwortentwurf versehen.
- Annahme
- 80 Mails/Tag, 1.5 statt 0.5 Minuten
- Ersparnis
- 28 Std. = CHF 2'100/Monat
- Kosten
- CHF 400/Monat, CHF 6'000 einmalig
- Netto
- CHF 1'700/Monat
Kritisch ist die Fehlzuordnung. Dazu gehören eine Stichprobe und ein einfacher Weg, falsch eingeordnete Mails zu melden.
4. Wissenssuche in internen Dokumenten
Mitarbeitende fragen Handbücher, Offerten, Projektberichte und Richtlinien und erhalten eine Antwort mit Verweis auf die Quelle.
- Annahme
- 25 Personen, je 15 Min./Woche weniger suchen
- Ersparnis
- 27 Std. = knapp CHF 2'000/Monat
- Kosten
- CHF 750/Monat, CHF 8'000 einmalig
- Netto
- rund CHF 1'250/Monat
Das schwächste der fünf Beispiele: Die Zeit verteilt sich in kleinen Stücken auf viele Personen und lässt sich kaum nachmessen. Es lohnt sich vor allem, wo Wissen an wenigen Köpfen hängt oder neue Leute lange brauchen. Voraussetzung sind gepflegte Dokumente und saubere Zugriffsrechte.
5. Protokolle und Rapporte
Aus einer Sitzungsaufnahme oder aus Stichworten entsteht ein Protokoll mit Beschlüssen und Aufgaben. Genauso werden Notizen vor Ort zum Servicerapport für den Kunden.
- Annahme
- 20 Sitzungen/Monat, 45 statt 15 Minuten
- Ersparnis
- 10 Std. = CHF 750/Monat
- Kosten
- CHF 150/Monat, kaum Einrichtung
- Netto
- CHF 600/Monat
Der Betrag ist klein, die Hürde auch. Gerade deshalb eignet sich das Beispiel als erster Pilot.
Die fünf Beispiele im Vergleich
Netto pro MonatLaufende Kosten
Balkenlänge: Wert der gesparten Zeit pro Monat. Beispielrechnung, Annahmen oben; ohne einmalige Einrichtung.
Netto heisst hier: Wert der gesparten Zeit minus laufende Kosten, ohne die einmalige Einrichtung. Und gesparte Zeit ist nur dann Geld, wenn sie anders genutzt wird, etwa für mehr Kundenarbeit oder weil eine Stelle nicht neu besetzt werden muss. Sonst ist sie Luft im Arbeitstag. Auch das ist etwas wert, erscheint aber nicht auf dem Konto.
Wann sich die Einrichtung bezahlt macht
- Offertentwürfe: Einrichtung nach gut 3 Monaten bezahlt
- Belegerfassung: Einrichtung nach 10 Monaten bezahlt
Was man besser lassen sollte
Entscheide ohne Prüfung
Kreditfreigaben, Bewerberauswahl, Preise gegenüber Kunden.
Kleine Volumen
Einrichtung und Pflege kosten dort mehr, als die KI spart.
Fehlende Datengrundlage
Die KI macht daraus keine bessere Datenlage, nur eine glaubwürdiger klingende Antwort.
KI, weil «alle es tun»
Ein Chatbot ohne klares Ziel kostet Pflege und bringt selten messbaren Nutzen.
Datenschutz: was in der Schweiz gilt
Das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) gilt seit September 2023. Wer Personendaten von Kunden, Mitarbeitenden oder Lieferanten an einen KI-Dienst gibt, bleibt dafür verantwortlich. In der Praxis entscheiden vier Punkte:
- Kundendaten, Personalakten und Verträge gehören nicht in kostenlose Consumer-Tools. Dort ist oft offen, wo die Daten liegen und ob sie zum Training dienen.
- Bei Business-Angeboten die Verträge prüfen: Bearbeitung im Auftrag, Ort der Verarbeitung (Schweiz oder EU/EWR bevorzugt), Aussage zur Nutzung der Eingaben fürs Training.
- Regeln schriftlich festhalten: welche Werkzeuge erlaubt sind und welche Daten nie eingegeben werden. Ohne Regel entsteht Schatten-IT, weil Leute tun, was praktisch ist.
- Bei besonders schützenswerten Daten wie Gesundheitsdaten und bei Berufsgeheimnissen vorher eine Datenschutzberatung beiziehen.
Das ist keine Rechtsberatung. Der Punkt ist, dass die Frage vor dem Pilot geklärt wird und nicht danach.
Ein Einstieg in vier Schritten
01Kandidaten sammeln
Mit den Teams eine Stunde lang aufschreiben, welche Aufgaben viel Zeit kosten und sich wiederholen. Die fünf Fragen von oben sind der Filter.
02Ausgangswert messen
Einen Fall wählen und zwei Wochen lang zählen, wie viele Vorgänge anfallen und wie lange sie dauern. An diesen Zahlen muss sich der Pilot messen lassen.
03Klein starten
Ein Team, ein Prozess, sechs bis acht Wochen. Die KI schlägt vor, ein Mensch prüft. Fehler werden notiert, nicht verdrängt.
04Auswerten und entscheiden
Spart der Pilot, was in der Rechnung stand, wird er ausgebaut. Spart er weniger, wird nachgebessert oder bewusst abgebrochen. Ein beendeter Pilot ist kein Misserfolg, wenn er wenig gekostet hat.
Erst danach lohnt sich die Frage, welche weiteren Prozesse dasselbe Werkzeug abdeckt. Die Anbindung an ERP, Buchhaltung und Dokumentenablage ist dabei meist der grössere Teil der Arbeit als das Modell selbst.
Wo Aproxera helfen kann
Wir begleiten KMU bei der Auswahl der Use Cases, bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung mit den eigenen Zahlen und bei der Umsetzung, inklusive Anbindung an bestehende Systeme.
Sie haben einen Prozess im Kopf und wissen nicht, ob er sich rechnet? Schildern Sie ihn uns. Eine erste Einschätzung ist meist in einem Gespräch möglich.
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