Zum Hauptinhalt springen
Aproxera AG

KI in Schweizer KMU: sinnvolle Use Cases mit hohem ROI

Wo sich KI im Alltag eines KMU rechnet, woran man gute Kandidaten erkennt und wie der Einstieg ohne grosses Risiko gelingt.

Aproxera AG

Veröffentlicht am
Lesezeit
6 Min. Lesezeit
Fünf Karten mit Symbolen für Beleg, Offerte, Postfach, Dokumentensuche und Protokoll laufen in eine steigende Kurve über wachsenden Balken.

Kurz gesagt: KI rechnet sich dort, wo dieselbe Arbeit oft anfällt, sich zählen lässt und ein Mensch das Ergebnis in Sekunden prüfen kann. Wer mit einem Prozess beginnt statt mit einem Werkzeug, spart ab dem ersten Monat.

5Use Cases, durchgerechnet mit offenen Annahmen
CHF 600–1'700netto pro Monat und Use Case in den Beispielen
6–8 Wochenreichen für einen Pilot, der eine Entscheidung trägt

Warum das Thema für KMU jetzt zählt

Sprachmodelle lesen heute Rechnungen, entwerfen Offerten, sortieren Mails und durchsuchen Dokumente. Für ein Unternehmen mit 20 bis 200 Mitarbeitenden ist das interessant, weil es dort selten eine Abteilung für Routinearbeit gibt. Sie bleibt bei Fachleuten hängen, die eigentlich anderes tun sollten: in der Buchhaltung, im Verkauf, in der Projektleitung.

Gleichzeitig ist der Druck, «etwas mit KI zu machen», real. Das Ergebnis sind oft Piloten, die technisch funktionieren und trotzdem niemand nutzt, weil sie ein Problem lösen, das niemand hatte. Die richtige Frage lautet deshalb nicht, was KI kann, sondern welche Aufgabe im eigenen Betrieb so viel Zeit kostet, dass sich eine Lösung lohnt.

Woran man einen guten Use Case erkennt

Fünf Fragen genügen für eine erste Einschätzung. Je mehr davon ein klares Ja ergeben, desto besser der Kandidat.

  • Regelmässig?

    Eine Arbeit, die zweimal im Jahr vorkommt, rechnet sich fast nie.

  • Genug Volumen?

    400 Belege im Monat sind ein anderer Fall als 40.

  • Messbar?

    Minuten pro Vorgang, Durchlaufzeit, Fehlerquote. Ohne Ausgangswert bleibt der Nutzen eine Behauptung.

  • Daten vorhanden?

    Wer die Grundlagen erst digitalisieren muss, hat zuerst ein anderes Projekt.

  • Prüft ein Mensch?

    Ein Entwurf, den jemand freigibt, ist unkritisch. Eine Entscheidung, die niemand mehr ansieht, ist es nicht.

Der letzte Punkt entscheidet am häufigsten. Die guten Use Cases sind fast immer solche, bei denen die KI einen Vorschlag macht und eine Person bestätigt. Das spart die Tipparbeit und lässt die Verantwortung dort, wo sie hingehört.

Fünf Beispiele mit Beispielrechnung

Die Rechnungen sind Beispiele, keine Messwerte aus Kundenprojekten. Alle Zahlen sind Annahmen, die wir offen ausweisen; gerechnet ist durchgehend mit CHF 75 Vollkosten pro Stunde. Wer andere Werte hat, setzt seine eigenen ein, der Rechenweg bleibt derselbe.

1. Belegerfassung in der Kreditorenbuchhaltung

Eingehende Rechnungen werden gelesen; Lieferant, Betrag, MWST und Kontierungsvorschlag sind ausgefüllt. Die Buchhaltung kontrolliert und gibt frei.

Annahme
400 Belege/Monat, 5 statt 2 Minuten
Ersparnis
20 Std. = CHF 1'500/Monat
Kosten
CHF 500/Monat, CHF 10'000 einmalig
Netto
CHF 1'000/Monat

Im ersten Jahr bleiben rund CHF 2'000, ab dem zweiten rund CHF 12'000 pro Jahr. Bei 80 Belegen im Monat wäre die Rechnung negativ.

2. Entwürfe für Offerten und Angebote

Aus Anfrage, früheren Offerten und Preisliste entsteht ein erster Entwurf, den der Verkauf überarbeitet.

Annahme
30 Offerten/Monat, 90 statt 50 Minuten
Ersparnis
20 Std. = CHF 1'500/Monat
Kosten
CHF 300/Monat, CHF 4'000 einmalig
Netto
CHF 1'200/Monat

Die Einrichtung ist nach gut drei Monaten bezahlt. Dass Offerten schneller rausgehen, ist ein zweiter Nutzen. Ob er mehr Aufträge bringt, sollte man messen statt annehmen.

3. Kundenanfragen im Sammelpostfach sortieren

Mails an info@ oder support@ werden nach Thema und Dringlichkeit eingeordnet, der zuständigen Person zugewiesen und mit einem Antwortentwurf versehen.

Annahme
80 Mails/Tag, 1.5 statt 0.5 Minuten
Ersparnis
28 Std. = CHF 2'100/Monat
Kosten
CHF 400/Monat, CHF 6'000 einmalig
Netto
CHF 1'700/Monat

Kritisch ist die Fehlzuordnung. Dazu gehören eine Stichprobe und ein einfacher Weg, falsch eingeordnete Mails zu melden.

4. Wissenssuche in internen Dokumenten

Mitarbeitende fragen Handbücher, Offerten, Projektberichte und Richtlinien und erhalten eine Antwort mit Verweis auf die Quelle.

Annahme
25 Personen, je 15 Min./Woche weniger suchen
Ersparnis
27 Std. = knapp CHF 2'000/Monat
Kosten
CHF 750/Monat, CHF 8'000 einmalig
Netto
rund CHF 1'250/Monat

Das schwächste der fünf Beispiele: Die Zeit verteilt sich in kleinen Stücken auf viele Personen und lässt sich kaum nachmessen. Es lohnt sich vor allem, wo Wissen an wenigen Köpfen hängt oder neue Leute lange brauchen. Voraussetzung sind gepflegte Dokumente und saubere Zugriffsrechte.

5. Protokolle und Rapporte

Aus einer Sitzungsaufnahme oder aus Stichworten entsteht ein Protokoll mit Beschlüssen und Aufgaben. Genauso werden Notizen vor Ort zum Servicerapport für den Kunden.

Annahme
20 Sitzungen/Monat, 45 statt 15 Minuten
Ersparnis
10 Std. = CHF 750/Monat
Kosten
CHF 150/Monat, kaum Einrichtung
Netto
CHF 600/Monat

Der Betrag ist klein, die Hürde auch. Gerade deshalb eignet sich das Beispiel als erster Pilot.

Die fünf Beispiele im Vergleich

Netto pro MonatLaufende Kosten

Anfragen sortierenCHF 1'700
WissenssucheCHF 1'250
OffertentwürfeCHF 1'200
BelegerfassungCHF 1'000
ProtokolleCHF 600

Balkenlänge: Wert der gesparten Zeit pro Monat. Beispielrechnung, Annahmen oben; ohne einmalige Einrichtung.

Netto heisst hier: Wert der gesparten Zeit minus laufende Kosten, ohne die einmalige Einrichtung. Und gesparte Zeit ist nur dann Geld, wenn sie anders genutzt wird, etwa für mehr Kundenarbeit oder weil eine Stelle nicht neu besetzt werden muss. Sonst ist sie Luft im Arbeitstag. Auch das ist etwas wert, erscheint aber nicht auf dem Konto.

Wann sich die Einrichtung bezahlt macht

10'0005'0000−5'000−10'000 036912 Monate ab Start 10'0005'0000−5'000−10'000 036912 Monate ab Start
  • Offertentwürfe: Einrichtung nach gut 3 Monaten bezahlt
  • Belegerfassung: Einrichtung nach 10 Monaten bezahlt
Kumulierter Nutzen in CHF: Einrichtung als Startwert, danach der monatliche Nettobetrag aus der Beispielrechnung. Die Kreise markieren den Punkt, ab dem sich die Einrichtung bezahlt hat.

Was man besser lassen sollte

  • Entscheide ohne Prüfung

    Kreditfreigaben, Bewerberauswahl, Preise gegenüber Kunden.

  • Kleine Volumen

    Einrichtung und Pflege kosten dort mehr, als die KI spart.

  • Fehlende Datengrundlage

    Die KI macht daraus keine bessere Datenlage, nur eine glaubwürdiger klingende Antwort.

  • KI, weil «alle es tun»

    Ein Chatbot ohne klares Ziel kostet Pflege und bringt selten messbaren Nutzen.

Datenschutz: was in der Schweiz gilt

Das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) gilt seit September 2023. Wer Personendaten von Kunden, Mitarbeitenden oder Lieferanten an einen KI-Dienst gibt, bleibt dafür verantwortlich. In der Praxis entscheiden vier Punkte:

  • Kundendaten, Personalakten und Verträge gehören nicht in kostenlose Consumer-Tools. Dort ist oft offen, wo die Daten liegen und ob sie zum Training dienen.
  • Bei Business-Angeboten die Verträge prüfen: Bearbeitung im Auftrag, Ort der Verarbeitung (Schweiz oder EU/EWR bevorzugt), Aussage zur Nutzung der Eingaben fürs Training.
  • Regeln schriftlich festhalten: welche Werkzeuge erlaubt sind und welche Daten nie eingegeben werden. Ohne Regel entsteht Schatten-IT, weil Leute tun, was praktisch ist.
  • Bei besonders schützenswerten Daten wie Gesundheitsdaten und bei Berufsgeheimnissen vorher eine Datenschutzberatung beiziehen.

Das ist keine Rechtsberatung. Der Punkt ist, dass die Frage vor dem Pilot geklärt wird und nicht danach.

Ein Einstieg in vier Schritten

  1. 01Kandidaten sammeln

    Mit den Teams eine Stunde lang aufschreiben, welche Aufgaben viel Zeit kosten und sich wiederholen. Die fünf Fragen von oben sind der Filter.

  2. 02Ausgangswert messen

    Einen Fall wählen und zwei Wochen lang zählen, wie viele Vorgänge anfallen und wie lange sie dauern. An diesen Zahlen muss sich der Pilot messen lassen.

  3. 03Klein starten

    Ein Team, ein Prozess, sechs bis acht Wochen. Die KI schlägt vor, ein Mensch prüft. Fehler werden notiert, nicht verdrängt.

  4. 04Auswerten und entscheiden

    Spart der Pilot, was in der Rechnung stand, wird er ausgebaut. Spart er weniger, wird nachgebessert oder bewusst abgebrochen. Ein beendeter Pilot ist kein Misserfolg, wenn er wenig gekostet hat.

Erst danach lohnt sich die Frage, welche weiteren Prozesse dasselbe Werkzeug abdeckt. Die Anbindung an ERP, Buchhaltung und Dokumentenablage ist dabei meist der grössere Teil der Arbeit als das Modell selbst.

Wo Aproxera helfen kann

Wir begleiten KMU bei der Auswahl der Use Cases, bei der Wirtschaftlichkeitsrechnung mit den eigenen Zahlen und bei der Umsetzung, inklusive Anbindung an bestehende Systeme.

Sie haben einen Prozess im Kopf und wissen nicht, ob er sich rechnet? Schildern Sie ihn uns. Eine erste Einschätzung ist meist in einem Gespräch möglich.

Beitrag teilen

LinkedIn

Bereit für weniger manuelle Prozesse und ein ERP, das mitdenkt?

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Kontakt aufnehmen